Mittwoch, 21. Januar 2009

Gedanken zum Abschied

Mein Aufenthalt in Mexiko neigt sich dem Ende zu und ich sitze mal wieder zwischen den Stühlen. Ich freue mich auf zuhause, würde gleichzeitig aber auch gerne noch bleiben. Ich möchte meinen Aufenthalt nicht verlängern und doch auch nicht beenden. Doch es ist in Ordnung, jetzt zu gehen, denn ich bin irgendwie fertig hier. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte und alles gemacht, was ich machen wollte. Ich habe die zweitgrößte Metropolregion der Welt kennengelernt und winzige Dörfer, in denen warmes Wasser Luxus ist und Pferde noch Transportmittel sind. Ich war im Dschungel und in der Wüste, habe wunderschöne Strände gesehen und heruntergekommene Straßenzüge. Und ich hatte sechs Monate lang den aufregendsten Nachbarn der Welt: Den aktiven Vulkan Popocatépetl. Und jetzt freue ich mich auf zuhause.

Doch ich kann nicht nach Deutschland fahren und erzählen: Mexiko ist nur toll. Das könnte ich vielleicht, wäre ich hier nur oberflächlich gereist oder hätte ich hier mit Scheuklappen zwischen den Mauern meines Denkens gelebt. Doch ich habe mir Brücken gebaut und mich eingelassen auf dieses Land mit seinen tiefen Farben, Gerüchen, Geräuschen, seinen unterschiedlichen Gesichtern, seiner Vielfalt in der Einheit und seiner einheitlichen Vielfalt, seinem Chaos, diesem Wirbel, der alles mitreist und doch immer wieder alles beim Alten lässt. Mexiko ist nicht mehr nur in meinem Kopf. Es ist auch in meinem Herzen. Nicht mehr nur in meinem Mund, sondern auch in meiner Seele (und war oft genug in meinem Darmtrakt...) Mexiko ist mir vertraut geworden, fast eine zweite Heimat und doch nicht ganz - noch immer fühle ich mich zu fremd oder sehe zu sehr so aus.

Ich habe versucht, nicht nur die Oberfläche mit meinem Blick abzutasten. Und nachdem ich nun so vieles zum ersten Mal gesehen habe, werde ich nach Hause fahren und hoffentlich dort auch vieles zum ersten Mal sehen, woran ich schon tausende Male vorbei gegangen bin.

Oye, México, estás incre. Te voy a extranar.

Dienstag, 20. Januar 2009

Mi querido México

Mexiko zu entdecken bedeutet, durch eine Vielfalt von unterschiedlichsten Landschaften zu reisen, Wüste zu erleben und ewiges Eis auf den Gipfeln der Vulkane, Dschungel und tropische Strände, modernste Stadtteile und unterentwickelte Dörfer und nicht zuletzt ein kulturelles Erbe, das seinesgleichen sucht - alles vereint in einer einzigartigen Flora und Fauna. Und man spürt hier so viel Leben, so viel Ausgelassenheit, so viel Freude, so viel Energie. Mexiko ist einzigartig und die Mexikaner sind sich dessen bewusst. Nicht selten hörte ich hier den Satz: "México es un otro mundo" - "Mexiko ist eine andere Welt, ist unvergleichlich". Und sie haben Recht: Mexiko ist eine andere Welt und es ist unvergleichlich - doch leider nicht nur im positiven Sinne. Keine Region dieser Welt ist so ungleich wie Lateinamerika und speziell Mexiko. Nirgendwo anders ist das Gefälle zwischen Arm und Reich so enorm. Die Schere der Ungleichheit klafft nicht nur zwischen Stadt und Land. Gerade auch innerhalb der Städte gibt es ein ausgeprägtes Gefälle zwischen extremer Armut und perversem Reichtum. In Mexico City, zum Beispiel, gibt es viele Mexico Cities: Moderne, hochentwickelte Viertel und großer Reichtum finden sich hier. Und dann (da sollte man allerdings auf keinen Fall hin gehen) gibt es Viertel, in denen Menschen auf Müllhalden leben und ein paar Pesos verdienen, indem sie Müll sortieren, wenn er angefahren wird. Mexiko ist ein Schwellenland. Das bedeutet, es ist ein Land, das in vielen Gegenden noch immer Entwicklungsland ist - vor allem in Staaten, die indigen geprägt sind (wie zum Beispiel Chiapas). In anderen Regionen ist Mexiko jedoch längst Industrieland (in Puebla, zum Beispiel).

Aus der Spannung zwischen Armut und Reichtum entsteht Kriminalität. Mexico City gilt heute als eine der gefährlichsten Städte der Welt. In einem SWR 1 podcast vom 30. August 2008 liefert SWR-Korrespondent Michael Castritius, der in Mexico City lebt, Erklärungen: Vor allem Jugendliche in den slums, so Michael Castritius, sehen einerseits, dass das Leben ihnen keine Perspektiven bietet. Sie sehen das Elend ihrer Eltern und ihr eigenes und blicken in eine Zukunft ohne Hoffnung auf ein besseres Leben. Gleichzeitig haben sie immer mehr Zugang zu Informationen, aus Fernsehen und Internet erfahren sie vom Reichtum, den es in ihrem Land gibt. Sie begreifen, dass schicke Autos und Goldketten nicht nur das sind, was Rapper in ihren Liedern besingen - sondern Teil der Realität der Reichen. Das provoziert Aggression. Die Jugendlichen wollen ihren Teil vom Kuchen einfordern und das nicht selten auf brutalste Art.

Mexiko ist heute die Metropole mit den meisten Entführungen weltweit. Man spricht von einer richtigen Entführungs-Industrie - sowohl was durchgeführte Entführungen angeht als auch vorgetäuschte. Zum Beispiel bekommen Familien einen Anruf, am anderen Ende der Leitung weint ein Kind und jemand sagt ihnen: "Wir haben ihre Tochter". Die Anrufer hoffen darauf, dass die Familien tatsächlich eine Tochter haben, die gerade im Kino ist oder sonstwie nicht erreichbar. Und sie fordern wenig Geld, relativ kleine Summen, die die meisten Familien rasch aufbringen können - und viele zahlen. So macht man schnelles Geld in Mexiko. So, oder als narco. Narco, das kommt von narcotraficante. So werden alle genannt, die mit Drogengeschäften zu tun haben. Narco zu werden bedeutet die Hoffnung auf einen besseren Lebensstil, auf ein besseres Leben insgesamt. Bildung oder Aufklärung fehlen in jeder Hinsicht.

In Mexiko tobt ein Krieg im Inneren, ein Kampf zwischen Drogenkartellen und der Polizei. Es ist ein Kampf, der immer weiter eskaliert. Die deutsche Tageszeitung taz schreibt in einem Artikel vom 1. November 2008: "Ein Blick auf die letzten Wochen bestätigt das: Am Mittwoch wird der Chef von Interpol Mexiko wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Drogenmafia festgenommen. Im Bundesstaat Sinaloa sterben an einem Tag 58 Menschen, unter ihnen der Polizeipräsident des Landes. Kurz zuvor werden 35 Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft verhaftet, weil sie mit den Kartellen kooperiert haben sollen, der Chef der Bundespolizei tritt aus demselben Grund zurück. Letzten Donnerstag werden im nordmexikanischen Ciudad Juárez zwölf Menschen ermordet, unter ihnen der Polizeireporter Armando Rodríguez. Insgesamt sterben in den ersten 10 Monaten dieses Jahres (2008) 4.400 Menschen durch die Kugeln von Polizisten, Soldaten oder rivalisierenden Banden - Dimensionen, wie man sie sonst nur von Kriegsschauplätzen wie Afghanistan kennt." Polizisten, Politiker und vor allem auch investigative Journalisten leben in Mexiko enorm gefährlich. "Mexiko ist das gefährlichste Land für Journalisten. Über 40 Reporter wurden seit dem Jahr 2000 ermordet, meist, weil sie im Drogenmillieu recherchiert hatten" - das schreibt die taz (November 2008). Der Staat versucht gegen die Drogenkartelle vorzugehen, er versucht, auch mit Unterstützung des Auslands, das Problem militärisch zu lösen - bisher vergeblich. Traurig.

Traurig ist auch, was beim Lesen dieses Textes vielleicht auffiel: SWR 1 podcast, die deutsche Tageszeitung taz - beides deutsche Quellen. Das liegt auch daran, dass diese Infos in den mexikanischen Medien fast nicht zu finden sind. Und das obwohl hier in Mexiko eine große Vielfalt an Tageszeitungen existiert. Die mexikanische Verfassung garantiert offiziell zwar die Pressefreiheit, tatsächlich übt die Politik jedoch sowohl offene als auch weniger nachweisbare Pressezensur aus. Im Buch "KulturSchock Mexiko" von Klaus Boll (erschienen im Reise-Know-How-Verlag) finden sich hierzu Erläuterungen: Die meisten Tageszeitungen finanzieren sich weniger durch den Verkaufspreis am Kiosk, sondern mehr über die publizierten Anzeigen. Hier sind Aufträge vom Staat, von der Regierungspartei und von dieser nahestehenden Industrieunternehmen für die Zeitungen überlebenswichtig. Daher wird in den mexikanischen Zeitungen so wenig scharfe, offene Kritik an der Regierungspolitik geübt, viele brisante Informationen werden nicht veröffentlicht. Zum Beispiel habe ich auch in den wenigen kritischen Zeitungen, die es hier gibt, keine Informationen darüber gefunden, dass der Interpol Chef wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Drogenmafia festgenommen wurde. Auch dass der Chef der Bundespolizei aus demselben Grund zurücktrat erfuhr ich aus den deutschen Medien. Unter der Hand wird die Presse weitgehend staatlich kontrolliert. "Wer nicht regierungskonform schreibt, darf nicht mehr mit Anzeigen des Staates, der Regierungspartei und bestimmter Unternehmen hoffen. Kritischen Zeitungen werden keine wichtigen Informationen und interessante Interviews aus diesen Kreisen mehr vermittelt. [...] Regierungsstellen und Parteien leisten darüber hinaus auch direkte Zahlungen an die Journalisten um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, wie sie einen bestimmten Sachverhalt darstellen sollen. Wer diese Hinweise noch immer nicht verstanden hat, darf mit massiven Drohungen rechnen. Und wer partout nicht einsehen will, wer der Stärkere im Land ist, muss gar mit einem Attentat rechnen. Erschossene Journalisten hat es in den vergangenen Jahrzehnten in Mexiko genügend gegeben" - so Klaus Boll in seinem Buch "KulturSchock Mexiko" über die Pressefreiheit in diesem Land, und weiter: "Die Mexikaner wissen von diesen Praktiken und sind darauf eingestellt, sie vermögen zwischen den Zeilen zu lesen. [...] Um bestimmte Informationen, Andeutungen, zarte Hinweise und versteckte Signale zu verstehen, muss man bereits zahlreiche andere Kenntnisse besitzen. Viele gerade in der Öffentlichkeit gemachte Aussagen ergeben ohne diese zusätzlichen Informationen wenig Sinn." Ja, das kommt mir irgendwie bekannt vor...

In Mexiko zu leben bedeutet (neben all den schönen Dingen, die das Land bietet und neben all den tollen Erfahrungen, die man hier sammeln kann) einen Verlust an Freiheit, ein Unwohlsein und das Gefühl verletzlich zu sein, das man immer mit sich herumschleppt. Das kommt vor allem auch daher, dass auf die Polizei kein Verlass ist. So was Korruptes wie die mexikanische Polizei kann man sich gar nicht vorstellen. Man kommt gar nicht darum herum persönliche Erfahrungen damit zu machen. Korruption ist Alltag. Sie durchsetzt den ganzen Polizeiapparat und alle, die hier leben, lernen sie kennen (siehe dazu zum Beispiel den blogtext "Ohne Kommentar"). Das Ganze ist relativ leicht erklärbar: Die Polizisten sind schlecht ausgebildet und werden schlecht bezahlt. Viele sind regelrecht auf Schmiergelder angewiesen, denn nur so können sie ihre Familien versorgen. Macht bedeutet Sicherheit. Und Menschen Macht zu geben, die keine Sicherheit haben - das ist ein gravierender Fehler, den kein System machen sollte. Es ist genau der Fehler, den Mexiko macht. So was wie "öffentliche Sicherheit" gibt es viel zu wenig in diesem Land. Der SWR-Korrespondent weist im podcast darauf hin, dass nur elf Prozent der Mexikaner Steuern zahlen. Und er fragt zu Recht: Woher also soll das Geld kommen für öffentliche Sicherheit? Diese Verbindung `Steuern zahlen = in öffentliche Sicherheit investieren` existiert in zu vielen mexikanischen Köpfen nicht - auch nicht in den Köpfen der verantwortlichen Politiker. Welche Freiheit wir in Deutschland haben (auch bedingt durch soziale Gerechtigkeit) - das ist eines der Dinge, die ich erst hier in Mexiko so richtig zu schätzen gelernt habe.

Die aktuelle Situation ist ein Teufelskreis und Mexiko ist auf dem Weg nach unten. Das bezieht sich nicht nur auf den Aspekt der Sicherheit. Die meisten der staatlichen Schulen sind eine Katastrophe. Doch private Schulen und Universitäten (die es hier gibt und die wirklich gut sind) kann sich nicht einmal die mexikanische Mittelschicht leisten. Wer Geld hat, kann in Mexiko ALLES erreichen. Und das ist ganz wörtlich gemeint: ALLES. Zum Beispiel kann man sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit genügend Geld von jeder erdenklichen Strafe freikaufen, egal welches Verbrechen jemand begangen hat. Geld ist der Schlüssel zu allem. Nicht zufällig kommt der zweitreichste Mann der Welt aus Mexiko. Wer jedoch kein Geld hat, wer arm geboren wird, der stirbt in der Regel auch arm. Soziale Sicherungssysteme gibt es, doch sie greifen viel zu wenig. Wer im Arbeitsleben scheitert, kann sich in der Regel nur auf die Familie als soziale Stütze verlassen. So kommt es, dass ein Familienvater oft nicht nur seine eigene Kleinfamilie versorgen muss, sondern Großeltern und/oder arbeitslose/geringverdienende Verwandte gleich mit. Mit Jobs wie Bus oder Taxi fahren ist das nahezu nicht möglich. Trotzdem ist die Familie der wichtigste, der zentrale Anlaufpunkt für die meisten Mexikaner und Mexikanerinnen. Sehr viele (gerade auch sehr viele Studenten) leben vorwiegend in der Großfamilie.

Daher war es für uns Austauschstudenten hier auch sehr schwierig, Freundschaften zu Mexikanern aufzubauen. Zum Beispiel gelang es mir nur zu einem einzigen Mädchen aus meinen drei Kursen so etwas wie eine Freundschaft zu erreichen. Oft habe ich von MexikanerInnen gehört, das läge an uns Europäern, wir seien so frío, so kalt und unnahbar. Ich glaube, es liegt nicht nur an uns. Ich bin am Anfang des Semesters auf meine neuen Kommilitonen und Kommilitoninnen zugegangen, auch mit der Intention Freundschaften zu schließen. Zum Beispiel gab es da Fidel, einen Soziologiestudenten aus dem Semester über mir, den ich zufällig kennenlernte und mit dem ich mich in der ersten Woche eine Weile unterhalten habe. Großer Fehler. Am nächsten Morgen kam seine Freundin zu mir, die in meinem Kurs war und sagte auf Spanisch zu mir auf: "Lass Fidel in Ruhe, ihr Mädchen aus der ersten Welt braucht gar nicht hier her kommen und denken, ihr könnt uns die mexikanischen Männer ausspannen." Ich war völlig perplex. Weder Fidels Freundin noch eine ihrer Freundinnen aus meinem Kurs haben das ganze Semester auch nur ein Wort mit mir gewechselt. Dann gab es da noch Emir, einen sehr netten Kommilitonen, der meistens in den Kursen neben mir saß und mit dem ich mich gut verstanden habe - solange seine Freundin nicht in der Nähe war. Sobald seine Freundin dabei war hat Emir mir nicht einmal mehr "Hola" gesagt. Paulina war und ist bis heute die einzige Mexikanerin mit der ich auch außerhalb der Kurse Kontakt hatte und mit der ich auch in Verbindung bleiben werde, wenn ich wieder in Deutschland bin. Diese Freundschaft ist ein Einzelfall. Doch zum Glück war auch Fidels Freundin ein Einzelfall. Ich wurde in meinem Kurs von den meisten durchaus nett und zuvorkommend behandelt und es gab viele Kommilitonen, die mir geholfen haben, wenn ich Fragen hatte. Von den meisten wurde ich auch mit Interesse beobachtet. Eine Einladung nach Hause, zum Beispiel, oder ein gemeinsames Kaffeetrinken gab es hingegen kaum. Nicht, dass Einladungen nicht ausgesprochen worden wären - im Gegenteil. Doch daraus ist nie was geworden. Solche Einladungen kann man hier auch wirklich erst ernst nehmen, wenn sie vier, fünf Mal ausgesprochen werden. Schade. Außerhalb der Uni haben wir jedoch viele sehr nette Menschen kennengelernt, darunter auch viele Mexikaner, die mich immer wieder aus meinem zwischenzeitlichen Mexikoma gerissen haben.

Was ich furchtbar fand und woran ich mich nie gewöhnen konnte war dieses Rassen-Ding. Ich war in meinen Kursen ständig nur "la chica del primer mundo - das Mädchen aus der ersten Welt". Ich habe das ganze Semester über so oft gehört, dass jemand gesagt hat "Das Mädchen aus der ersten Welt hat ´ne 10 in der Klausur", "Das Mädchen aus der ersten Welt hat seinen Aufsatz schon abgegeben", "Das Mädchen aus der ersten Welt hat den Text nicht gelesen", "Das Mädchen aus der ersten Welt hat dieses oder jenes"... Schrecklich. Was ich auch furchtbar fand und woran ich mich nie gewöhnen konnte war, dass mir so oft Leute, vor allem Männer, "pinche gringa" oder "pinche güera" hinterhergerufen haben. "Güera" heißt eigentlich nichts weiter als "blond". Blond, blauäugig, hellhäutig - das ist hier nicht nur das allgemeine Schönheitsideal, sondern das bringen viele Mexikaner immer in Verbindung mit reich, stark und "was Besseres sein". Und viele sind neidisch, auf den Wohlstand, den sie damit verbinden, auf soziale Gleichheit, Sicherheit, ... Und das Wort "güera" bezieht sich nicht nur auf die Haarfarbe, sondern - wie die Mexikaner auch selbst sagen - auf die Rasse. Daher ist die adäquate Übersetzung für "pinche güera" so was wie "Scheiß Weiße". Ich habe das so oft gehört. Männer haben mir das aus dem Auto heraus hinterher geschrien. Verkäufer haben mich so genannt, wenn sie dachten, ich könne kein Spanisch. Und ich fand das furchtbar. Rassismus war für mich immer ein Thema. Ich hätte nur niemals damit gerechnet, dass Rassismus etwas ist, was mir passiert. So kann und will ich auf die Dauer nicht leben.

Mexiko ist ein Land mit vielen Abgründen und vielen Schattenseiten. Doch trotz allem - nach einem halben Jahr in Mexiko kann ich sagen: Ich habe gerne hier gelebt, jedenfalls die meiste Zeit. Mi querido Mèxico ist ein faszinierendes Land und ich werde wieder hier her kommen, irgendwann.

Montag, 19. Januar 2009

Palenque und Mexico City mit Jörn

Am 29. Dezember kam mich Jörn besuchen, ein Freund und Kommilitone aus Tübingen, der gerade in den USA zwei Auslandssemester macht. Wir hatten schon vor Monaten über eine Silvester-Reunion in Mexiko nachgedacht - umso mehr habe ich mich gefreut, als er tatsächlich kam und wir Silvester gemeinsam im Dschungel feiern konnten. Wir fuhren nach Palenque um ein paar Tage in der fast schon legendären Backpacker-Anlaufstelle El Panchán zu verbringen. (Siehe dazu auch den blogtext "Der Beginn unserer Reise" vom 22.10.08) Am ersten Tag dort besichtigten wir die alte Mayastadt von Palenque, die ich von meiner Reise mit Roland zwar schon kannte, die durch ihre herrliche Architektur und die traumhafte Lage mitten im Urwald aber auch ein zweites Mal beeindruckt. Besonders wenn man sich die Ruinen vorstellt, wie sie zu der Zeit ausgesehen haben, als Palenque auf der Höhe seiner Macht war: blutrot angemalte Tempel mit blauen Stuckdetails, die über hohen, gefährlich steilen Treppen thronen. In Palenque gibt es Hunderte von Ruinen, nur ein kleiner Teil ist ausgegraben. Und alles, was an diesem schweißtreibenden Ort steht, wurde ohne Metallwerkzeuge und ohne das Rad gebaut. Der Dschungel, der die grüne Kulisse der Mayastadt bildet, ist bis heute das Zuhause von Brüllaffen, die man in der Ferne hört.

Am nächsten Tag machten wir eine Tour zu zwei Wasserfällen: Agua Azul und Misol-Ha. Eigentlich wären im Tourprogramm auch die Fälle Agua Clara inbegriffen gewesen, doch das ganze Gebiet dort war von zapatistischen Rebellen besetzt, die mit Waffengewalt zu verhindern suchten, dass Touristen den für sie heiligen Ort besuchen. Das Gebiet haben wir lieber gemieden. Aber Agua Azul und Misol-Ha war toll. Agua Azul - das sind blendend weiße Wasserfälle, die stufenweise in türkisblaue Becken donnern, das Ganze mitten im Urwald. Misol-Ha ist ein kleinerer Wasserfall, der 35 Meter tief in ein breites Becken stürzt, das umgeben ist von üppiger tropischer Vegetation.

Silvester feierten wir in El Panchán, wo in der Dschungelbar einiges geboten war: Live Panflöten-Trommel-Musik, Feuershows, gutes Essen und billige Cocktails. Dummerweise kamen wir gegen zwei Uhr morgens auf die Idee, unseren Freunden in Tübingen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Das war ein großer Fehler, denn nicht nur rissen wir Gregor sehr unsanft aus dem Schlaf (Sorry, Greg...), sondern ich verstauchte mir auf dem Weg zur Straße (dem einzigen Ort in El Panchán, an dem es Handynetz gibt) so gründlich den Fuß, dass ich die folgenden Tage fast gar nicht laufen konnte und bis heute nur humpelnd laufen kann. Am ersten Januar fuhren wir dann in das zentrale Krankenhaus von Palenque. Das war auch so ein Erlebnis: Als wir ankamen musste ich mich zunächst an einem Schalter melden und eine Frau legte meine "Krankenakte" an: Ein Stück Schmierpapier. Dann mussten wir warten und es wurde uns schnell ganz Elend zumute, weil in einem der Behandlungszimmer ein kleiner Junge die ganze Zeit markerschütternd schrie. Als ich dann in ein Sprechzimmer gerufen wurde staunte ich nicht schlecht: Alles war alt und dreckig und es gab nicht mal einen Stuhl (geschweige denn einen Computer...). Ich saß auf einem Pappkarton voller Handtücher während der Arzt mich begutachtete. Als ich eintrat war seine erste Frage nicht etwas "Was hast du?", sondern: "Bist du gringa?" Nachdem ich das entnervt verneint hatte war der der Arzt sehr nett und nahm sich Zeit, um meinen Fuß gründlich zu untersuchen. Er verwies mich in eine Radiologie-Praxis (im Krankenhaus gab es nämlich keine Röntgen-Apparate), wohin ich am nächsten Tag fuhr, während Jörn eine Tagestour nach Yaxchilan und Bonampak machte. Für die zwei Röntgenbilder zahlte ich 600 Pesos (derzeit sind das etwa 35 Euro). Das fand ich schon ziemlich heftig, denn wir waren in Chiapas, dem ärmsten Bundesstaat Mexikos, in dem ein großer Teil der Menschen überhaupt keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat weil die Infrastruktur und das nötige Geld fehlen. Wie soll denn da ein armer Bauer (selbst wenn er bis in die Röntgenpraxis kommen kann) auch nur ein einfaches Röntgenbild zahlen?

Später an diesem Tag verabschiedeten wir uns aus Palenque und fuhren 14 Stunden lang über Nacht nach Mexico City. Dort machten wir den Tag über das, was auch mit einem Humpelfuß möglich war: Wir waren auf dem Zócalo, dem zweit größten innerstädtischen Platz der Welt und besichtigten die Kathedrale und den Palacio Nacional, in dem die riesigen Wandgemälde von Diego Rivera und der alte Parlamentssaal zu sehen sind. Danach machten wir eine Tour mit dem Touribus - eine fußfreundliche Angelegenheit und auch ganz interessant: Auf einer solchen Tour kommt man in Stadtteile, in die man sonst wahrscheinlich eher nicht gehen würde. Am Tag darauf besichtigte Jörn Teotihuacan, die größte erhaltene Azteken-Stadt. Ich verbrachte den Tag lesend in Cafés und in der Kardinalsmesse. Diese begann gerade als ich in der Kathedrale war und ich wollte bleiben, um den Tag ruhig zu beginnen. Mir gefällt das Feierliche, Meditative, Stimmungsvolle einer Messe. Leider war diese Messe überhaupt nicht feierlich. Ständig liefen Touristen an den Messebesuchern vorbei - einer war sogar so dreist und schob die stehenden Besucher zur Seite um ein Foto von sich mit dem Kardinal im Hintergrund machen zu lassen. Ein Filmteam war auch da und ständig blitzte irgendwo ein Fotoapparat. Vor mir aß einer knisternd Kekse, hinter mir unterhielt sich ein Pärchen. Nach einer Stunde hatte ich keine Lust mehr und bin gegangen. Am selben Abend fuhren wir dann zurück und verbrachten den letzten Tag von Jörns Aufenthalt in Mexiko in Puebla und auf dem Markt von Cholula. Am sechsten Januar brachte ich ihn dann an den Flughafen nach Mexico City, von wo aus er zurück in die USA flog.

Auf der Ranch von Armin Senger in Chignahuapan (November 2008)

Auf der Ranch von Armin Senger (Nov. 2008)

Mein Onkel hat einen Kumpel und der Kumpel hat eine Ranch in Chignahuapan, in der Nähe von Puebla. Da mussten wir natürlich hin und uns das anschauen. Im November fanden Julia, Caro, Daniel und ich dann endlich die Zeit für einen Besuch auf der Ranch. Wir kamen abends an und Chignahuapan bereitete uns ein ungemütliches Willkommen: Es war Norte, eine unangenehme Wetterlage, die undurchdringlichen Nebel, niedrige Temperaturen und dichten Nieselregen bringt. Wir sahen kaum etwas, als wir in Armins altem Jeap vom Busterminal in Chignahuapan über holprige, matschige Feldwege zur Ranch fuhren. Als wir schließlich feucht und durchgefroren in der Küche saßen, erwartete uns eine Überraschung: richtiges Körnerbrot zum Abendessen, von Armin selbst gebacken. Wir haben uns sehr darüber gefreut, denn das gibt es sonst in Mexiko nicht. Hier isst man vorwiegend Toastbrot oder Weißbrot, das aber immer ein bisschen süß schmeckt. Den Abend verbrachten wir gemütlich im Wohnzimmer, wo wir uns mit Zuckerrohrschnaps wenigstens von innen etwas zu wärmen versuchten, denn das Feuer, das wir stetig mit einem Fön anzufachen versuchten brannte einfach nicht gut - und nachts gingen die Temperaturen auf die Null Grad zu und zwar draußen genauso wie im Haus! Aber es war ein netter Abend, gefolgt von einem schönen Tag, an dem wir durch den campo spazierten und schließlich an einer Forellenfarm Forellen kauften, die Armin und seine Familie am nächsten Tag für uns kochten.

Bis Samstagabend war dann zum lokalen Fernsehsender durchgedrungen, dass drei deutsche Mädels in Chignahuapan gelandet sind. Also wurden wir in eine Musiksendung eingeladen - als Live-Gäste!!! Eine Stunde lang stellten wir live auf Sendung Musiktitel vor und lasen Grüße, die Zuschauer per SMS ins Studio schickten. Es war eine witzige Erfahrung und da die Fernseh-Jungs echt nett waren kamen sie noch mit uns auf die Ranch, wo wir alle gemeinsam bis fünf Uhr morgens ´ne Menge Spaß und Zuckerrohrschnaps hatten. Am Sonntag gab´s dann die Forellen zu essen, das war richtig lecker. Danach mussten wir uns leider schon wieder aufmachen nach Puebla - doch wir hatten ein schönes, spaßiges Wochenende!

Ein letzter Ausflug nach Mexico City

Überlieferungen zufolge war es der Gott Huitzilopochtli, der den Azteken den Auftrag gegeben hatte, an der Stelle eine Stadt zu errichten, an der sie einen Adler fänden, der auf einem Kaktus sitzend eine Schlange verspeist. Dies - so die alten Schriften - sei der Ort, an dem das Gute über das Böse siegt. Und die Azteken fanden diesen Ort - mitten auf einer Insel im Texcoco-See. Im Jahr 1325 gründeten sie dort die Stadt Tenochtitlan (das heutige Mexico City). Es kann jedoch auch davon ausgegangen werden, dass die Azteken die Insel als Siedlungspunkt wählten, weil sie einen strategisch guten Rückzugspunkt darstellte und der See sie außerdem mit Fisch versorgte. Sea lo que sea - Adler, Schlange und Kaktus sind bis heute das Zentralmotiv der mexikanischen Flagge.

Bald reichte das wenige vorhandene Land nicht mehr aus, die wachsende Bevölkerung Tenochtitlans zu ernähren. Also bauten die Azteken chinampas, schwimmende Gärten. Dazu benutzten sie rechteckige Flöße aus Flechtwerk, auf die sie Erde aufschütteten, dann wieder Flechtwerk, dann wieder Erde, dann wieder Flechtwerk ... und das solange, bis die schwimmenden Anbauflächen den Seegrund erreichten. Dann wurden Weiden gepflanzt, die die Flöße im Seegrund verankerten und den künstlichen Anbauflächen Halt gaben. Über die Jahre wuchsen die Pflanzflöße durch Wurzelbildung am Seegrund fest. Durch die ständige Wasserzufuhr und Schlammdüngung wurden bis zu vier Ernten pro Jahr möglich.

Als die spanischen Konquistadoren unter Hernán Cortés im Jahr 1519 die Azteken unterwarfen (was der Beginn der 300-jährigen spanischen Kolonialherrschaft war) machten sie Tenochtitlan so gründlich dem Erdboden gleich, dass heute nur noch sehr wenige aztekische Bauten erhalten sind. Auf den Trümmern errichteten sie ihre eigene Hautstadt - die moderne Ciudad de México, Mexico City.

Viel ist nicht übrig von Tenochtitlan. Jedoch sind bis heute unter anderem Überbleibsel der chinampas, der schwimmenden Gärten erhalten und zwar in Xochimilco (Náhuatl für "Ort, an dem die Blumen wachsen"). Caro, Dani und ich waren letzten Samstag dort. Auf bunten, geschmückten Floßen, den trajineras, gondelten wir gemütlich durch das verzweigte Kanalsystem von Xochimilco, durch schmale Wasserstraßen und vorbei an Gewächshäusern. Xochimilco ist heute ein beliebtes Ausflugsziel, auf dem Wasser fand ein lebhaftes Treiben statt. Von trajineras aus wurden Süßigkeiten, Speisen und Kunsthandwerk verkauft. Auf anderen Flößen spielten Mariachi. Alles ging bunt und laut durcheinander - es war ein lohnenswerter Ausflug und ein schöner Beginn für meinen letzten Trip nach Mexico City (zumindest der letzte Trip während meines Auslandssemesters hier - ganz sicher nicht der letzte Besuch überhaupt...)

Später an diesem Tag fuhren wir nach Coyoacán, das heute längst Teil der explosionsartig gewachsenen Stadt ist, das vor 100 Jahren jedoch noch ein Vorort von Mexico City war. Im Jahr 1907 wurde hier Frida Kahlo geboren, die Kämpferin und Rebellin, die um ihr Leben malte, als sie durch ein Busunglück zur Invalidin wurde. Sie ist bis heute eine der bedeutendsten Künstlerinnen Mexikos. Sie heiratete gleich zwei Mal den Maler Diego Rivera, den Schöpfer monumentaler Wandbilder (über die ich in den Blogtexten über meine Aufenthalte in Mexico City bereits geschrieben habe). Diego Rivera und Frida Kahlo lebten mehrere Jahre in Fridas Geburtshaus in Coyoacán, das wegen des indigoblauen Anstrichs casa azul genannt wird. Heute befindet sich im Blauen Haus das Museo Frida Kahlo. Leider war es nicht erlaubt, im Haus Fotos zu machen - dafür habe ich jedoch Bilder vom Garten der Frida Kahlo und vom Haus Leo Trotzkis (spanisch: León Trotsky), der nur wenige Blocks entfernt gelebt hat.

Leo Trotzki war neben Lenin der zweite herausragende Führer der russischen Revolution von 1917 und der schärfste Kritiker der stalinistischen Bürokratie, die zu seiner Zeit in Russland herrschte. Nach seiner Vertreibung erhielt er Asyl in Mexiko und führte seinen Kampf von dort aus weiter. Zunächst lebte er gemeinsam mit Frida Kahlo im casa azul, bevor er in ein nur wenige Straßen entferntes, festungsartiges Haus zog, das heute das Museo León Trotsky ist. Im Hof sind seine Überreste begraben. Neben verschiedenen Fotoausstellungen finden sich in dem Museum bis heute die Räume, in denen er lebte - unter anderem das Schlafzimmer, in dem er am 24. Mai 1940 knapp ein Attentat mit Schusswaffen durch Stalin-treue Kommunisten überlebte. Die Einschusslöcher in den Wänden sind noch immer zu sehen. Auch sein Arbeitszimmer kann man anschauen - dort erschlug der sowjetische Geheimagent Ramón Mercader Leo Trotzki im Jahr 1940 mit einem Eispickel. Die Räume sind original erhalten - das musste ich mir natürlich noch anschauen, bevor ich am 24. Januar nach Deutschland zurück fliege.

Xochimilco - Museo Frida Kahlo - Museo León Trotsky

Ein letzter Ausflug nach Mexico City

Sonntag, 18. Januar 2009

Eine Reise durch Baja California Sur

Am siebten Dezember flogen Julia und ich von Mexico City aus nach Guadalajara, wo am Tag darauf auch Daniel ankam. Von Guadalajara aus begannen wir unsere Reise in den Norden. Zuerst ging´s nach Mazatlán, einer Stadt an der Westküste Mexikos. Dort nahmen wir ein Schiff und fuhren über Nacht in den Staat Baja California Sur, zunächst nach La Paz. Danach ging es eine ganze Nacht lang mit dem Bus weiter in den Norden nach Guerrero Negro, von wo aus wir über San Ignacio und Mulegé in Etappen nach La Paz zurück fuhren.


Da Julia und ich beide krank waren verbrachten wir den ersten Nachmittag in Guadalajara beim Arzt. Auf der Suche nach einer Praxis, die sonntagmittags geöffnet hat, landeten wir bei einem Doktor der Kette "Farmácias Similares", einer Apothekenkette, die Medikamente mit den Wirkstoffen der Originalpräparate selbst billiger herstellt. Zu diesen Apotheken gehört oft auch ein Arzt, der von "Farmácias Similares" finanziell unterstützt wird und der gegen eine geringe Gebühr von 25 Pesos (umgerechnet etwa 1,50 Euro) vor allem arme Patienten untersucht. Als wir die sogenannte "Praxis" betraten staunten wir nicht schlecht: Das Arztzimmer war ausgestattet mit nahezu nichts. Es gab zum Beispiel nur eine einzige Lampe um in Hals, Nase und Ohren zu leuchten. Dazu hatte der Arzt einen einzigen Aufsatz, den er kurz mit einem mit Desinfektionsmittel befeuchteten Wattebausch abwischte bevor er erst mir und später, nach der gleichen knappen Reinigungsprozedur, Julia in Hals und Nase leuchtete. Lecker.

Nachdem wir die verschriebenen Medikamente gekauft hatten wollten wir etwas essen gehen. Wir fanden ein gemütliches Café, das, wie auf dem Schild neben dem Eingang zu lesen stand, 1959 eröffnet worden war. Vielleicht waren es sogar noch die gleichen Männer von damals (die in den 1960ern vermutlich genauso in waren, wie das Café), die an den hinteren Tischen Domino spielten. Nachdem wir uns umgeschaut hatten war uns klar, warum es im Cafe so ruhig geworden war, als wir entraten: Wir waren die einzigen Mädchen unter dominospielenden Männern, die uns neugierig betrachteten.

Später an diesem Tag erkundeten wir das historische Stadtzentrum und versuchten die Orte zu finden, die uns als impresionante beschrieben worden waren. Allerdings waren wir von den sogenannten Highlights etwas enttäuscht - so schön, wie im Reiseführer beschrieben, fanden wir die Altstadt von Guadalajara längst nicht. Um sieben Uhr abends hatten wir genug und gingen ins Bett um uns auszukurieren. Nach 14 Stunden Schlaf und einem ausgiebigen Frühstück kam dann Daniel im Hotel an. Mit ihm waren wir an diesem Abend italienisch essen. Ich mag das mexikanische Essen wirklich gern, Julia auch, aber nach fünf Monaten hier sind selbst einfache Spaghetti mit Tomatensoße für uns eine ersehnte Sensation...

Am Dienstag machten wir dann das, was man wohl gemacht haben muss, wenn man im Land des Tequila studiert: Wir fuhren nach Tequila. Die kleine Stadt - nach der das Getränk übrigens benannt ist - ist etwa eine Busstunde von Guadalajara entfernt. Wir fuhren durch eine trockene, wüstenähnliche Landschaft, in der sich über Kilometer ein Agaven-Feld ans nächste reiht. Ein Deutscher namens Weber hat herausgefunden, dass sich der originale Tequila nur aus einer einzigen (von insgesamt über 100) Agaven-Sorten hergestellen lässt: Aus der Maguey-Agave. Einst hatten Einheimische durch Zufall entdeckt, dass das aus der blauen Agave gewonnene Getränk nach einiger Zeit eine schwummrig machende Wirkung auf den Organismus hat. Sie dachten, das Getränk sei ein Geschenk der Götter - erst viele Jahre später lehrten die spanischen Eroberer sie das Destillieren. Heute gibt es in Tequila mehr als 20 große Destillerien, die dafür sorgen dass es fast keine Arbeitslosigkeit in dieser Stadt gibt. Nachdem wir das hübsche historische Stadtzentrum angeschaut hatten machten wir eine Tequila-Tour. Wir fuhren an den Firmen der großen Marken vorbei zu einer Destillerie, in der uns die Herstellung des Tequila von der Pflanze bis zum fertigen Destillat erklärt und gezeigt wurde. Danach durften wir natürlich probieren. Mir wollten sie sogar die doppelte Portion Tequila andrehen, denn das Getränk wird von so ziemlich jedem Mexikaner als DAS ultimative Heilmittel für jede Krankheit angepriesen. Ich lehnte ab, weil ich Antibiotika nehmen musste - das stieß auf allgemeines Unverständnis. Die Tour war interessant. Zum Beispiel erfuhren wir, dass die blauen Agaven acht Jahre wachsen müssen, bis sie geerntet werden können. Die Stümpfe der Pflanzen, aus denen der Tequila hergestellt wird, wiegen dann zwischen 50 und 100 Kilogramm. Aus sieben Kilogramm Agave wird ein Liter Tequila gewonnen. Leider wird der richtig gute, der originale, keine Kopfschmerzen verursachende Tequila nicht nach Europa exportiert - er schmeckt wesentlich besser als der Sierra mit dem kitschigen Plastik-Sombrero, der bei uns verkauft wird. Es gibt hier sogar mindestens eine Tequilamarke, deren Flaschen nicht Außerlandes gebracht werden dürfen, nicht einmal einzeln als Geschenk für Verwandte oder Freunde.

Am gleichen Abend fuhren wir von Guadalajara aus weiter in der Norden, nach Mazatlán. Morgens um sechs kamen wir dort an. Dachten wir jedenfalls, doch als wir drei Stunden später die Tickets für die Fähre nach La Paz kaufen wollten erfuhren wir vor den verschlossenen Toren des Hafens davon, dass Mazatlán in einer anderen Zeitzone liegt - der Unterschied zu Deutschland beträgt hier acht und nicht, wie zum Beispiel in Puebla, sieben Stunden. Wir deponierten unser Gepäck in einem Hotel, schauten uns das Stadtzentrum an und kamen um drei Uhr nachmittags zurück zum Hafen, denn zu dieser Zeit sollte das Schiff beladen werden. Von wegen... Hier musste wir zum ersten Mal auf unserer Reise so richtig lang warten. Das Schiff kam gegen fünf Uhr, bis wir an Bord gehen konnten vergingen weitere zwei Stunden. Wir hatten für umgerechnet 45 Euro Aufschlagzahlung eine Kabine für drei Personen gemietet und so verbrachten 13 entspannte Stunden an Bord des "Chihuahua Star" und kamen am nächsten Morgen halbwegs ausgeruht in der Baja California, in La Paz, an. Es war Daniel Geburtstag. Doch anstatt am Strand (wie geplant) verbrachten wir den Tag tagebuchschreibend in einem Café - es war einfach zu kalt zum baden.

Am Abend wollten wir kochen. Um Essen einzukaufen suchten wir einen Supermarkt - kein leichtes Unterfangen dank einer für uns Europäer etwas seltsam anmutenden Art der Höflichkeit. Fragt man einen Mexikaner nach dem Weg und weiß er denselben nicht, so sagt er nicht etwa "Entschuldigung, ich hab leider keine Ahnung". Nein, er sagt zum Beispiel "Fünf Blocks geradeaus und dann rechts". Aus dem Tonfall hört der Einheimische heraus, dass der Gefragte keine Ahnung hat - wir unwissenden Fremden folgen jedoch der vermeintlichen, doch stets mit dem Brustton der Überzeugung vorgetragenen Wegbeschreibung - und landen regelmäßig im Sonstwo. Hier in Mexiko ist man nicht so direkt, zu sagen "Ich weiß nicht wo ein Supermarkt ist". Es gilt sogar als unhöflich, wenn man das sagt. Tja, und da wir nicht aus dem Tonfall heraushören, ob eine Auskunft wahr ist oder nicht, verliefen wir uns bereits ungezählte Male. So auch an diesem Donnerstagabend. Frei nach dem Motto "Ein Geograph verläuft sich nicht, er erkundet" folgten wir den Wegbeschreibungen und liefen schnurstracks in die falsche Richtung. So wurde aus "Lass uns noch kurz zum Supermarkt gehen" eine dreistündige Odysee durch La Paz.

Am nächsten Tag wollten wir mit dem Bus an einen Strand fahren. Das ging nicht, man sagte uns, alle Busse seien in der Werkstatt. Später erfuhren wir, dass wir die einzigen Fahrgäste gewesen wären und nur für drei Leute hatte der Busfahrer keine Lust zu arbeiten. Abends gingen wir - um Geld zu sparen - in ein billiges Restaurant - eine Sparmaßnahme, die uns unsere Mägen die ganze elfstündige Nachtbusfahrt nach Guerrero Negro bereuen ließen...

Auf unserer ganzen Reise durch Baja California wurden wir sehr oft von Militäs kontrolliert. Hintergrund ist folgender: Mexiko ist Hauptliferant für in den USA konsumiertes Marihuana und Kokain. 90 Prozent des verkauften Kokains kommt von Columbien über Mexiko ins Land - vieles davon über die einsamen Straßen der Baja California. Daher gibt es viele Militärposten, die Fahrzeuge anhalten und Ladung und Insassen kontrollieren. Allein auf unserer elfstündigen Busfahrt von La Paz nach Guerrero Negro mussten wir vier mal aussteigen, jedes Mal wurde alles Gepäck ausgeladen und wir standen, umzingelt von Soldaten mit Maschinengewehren und Strummasken, mitten in der Nach mitten in der Wüste und wurden durchsucht. An anderen Stopps stiegen Mitarbeiter der Migrationsbehörde ein und überprüften, ob auch kein Südamerikaner im Bus sitzt, der auf diesem Wege versucht, illegal in die USA zu gelangen. Mehrfach wurden wir auch unsanft wachgerüttelt, weil der Busfahrer Vollbremsungen einlegen musste, um Kühe auf der Straße nicht zu überfahren. Es war eine anstrengende Nacht und wir waren ziemlich am Ende als wir am nächsten Morgen ankamen.

Guerrero Negro: "Hier dreht sich alles ums Whale-Watching; ansonsten ist hier nicht mehr viel geboten. [...] Eine der etwas seltsameren Whale-Watching-Regelungen untersagt das Mitnehmen von mascotas (Haustieren) - damit können nur die Wale gemeint sein... braucht man dafür wirklich ein Gesetz?" Das steht im lonely planet über die kleine Stadt in der Wüste. Jedes Jahr paaren sich in einer Lagune in der Nähe hunderte kalifornische Grauwale und ziehen ihren Nachwuchs groß. Zwischen Dezember und März, so sagte man uns, verweilen die Wale bei Guerrero Negro und man kann sie vom Schiff aus beobachten. Julia, Daniel und ich waren am 15. Dezember vor Ort... nur leider waren die Walen noch nicht da. Wir hatten falsche Informationen, erst am 18. Dezember fangen die Wale-Watching-Unternehmen überhaupt an, auf´s Meer raus zu fahren und zu schauen, ob die Wale schon da sind. Whale-Watching geht erst richtig gut im Januar. Und so viele Leute hatten uns erzählt, ja, ja, das geht ab Mitte Dezember, auf jeden Fall... Wir waren ziemlich enttäuscht, vor allem weil wir mit unseren kaputten Mägen eine schreckliche, elfstündige Busfahrt in einem übervollen Reisebus auf uns genommen hatten um nach Guerrero Negro zu gelangen. Und der lonely hat Recht: In Guerrero Negro gibt es sonst überhaupt nichts zu machen oder zu sehen und wir verbrachten den halben Tag frustiert in einem Café und tranken magenberuhigenden Tee.

Die Baja California Sur ist Wüste, eine raue, sonnenverbrannte Landschaft, in der sich ein Kaktus neben dem anderen gen Himmel reckt. Durch diese weite Einsamkeit fuhren wir von Guerrero Negro aus nach San Ignacio, einem kleinem Dorf in einer Oase mit 2000 Einwohnern und ungefähr ebensovielen Dattelpalmen. Diese wurden vor Jahrhunderten zum ersten Mal von jesuitischen Missionaren angepflanzt - heute gibt es einen ansehnlichen Dattelpalmenwald. Ansonsten gab es in San Ignacio noch eine schöne alte Mission und sonst... nichts. Nicht einmal einen Bankautomaten. Und wir hatten gerade genug Bargeld für ein billiges Hotelzimmer, das wir uns mit Kakerlaken und anderen Tieren mit zu vielen Füßen teilen mussten, eine Suppe für jeden und den Bus nach Mulegé, wohin wir am nächsten Tag fuhren.


In der nördlichen Hälfte der Baja California Sur gibt es eigentlich nur diese größeren Orte: Guerrero Negro, San Ignacio, Santa Rosalía (was wir ausliesen) und Mulegé. Zwischen diesen Orten verkehrt mehrmals am Tag ein Bus. Es gibt nur eine Busgesellschaft, die die Preise festlegen kann. Allerdings kauft man die Tickets meist gar nicht offiziell am Schalter, sondern inoffiziell direkt beim Busfahrer. So zahlt man etwas weniger, dafür wird aber erwartet, dass man schweigt. Denn wie man beobachten kann, wenn man genauer hinschaut: Der Busfahrer steckt das Geld in die eigene Tasche und teilt es später, irgendwo hinter dem Bus versteckt, mit der Ticketverkäuferin und den für´s Gepäck Zuständigen - an die Busgesellschaft wird die Information weitergegeben, der Bus sei ohne Gäste gefahren. Mitten in der Wüste bekommt das keiner mit und die Militärposten, die unterwegs ständig die Busse anhalten und Gepäck und Fahrgäste kontrollieren interessieren sich nicht für Fahrkarten.

In San Ignacio sagte man uns, der Bus nach Mulegé käme zwischen ein und zwei Uhr. Von wegen... Wir warteten fast drei Stunden am Busterminal (das nicht mehr war als ein sonnenverbrannter Sandplatz am Straßenrand mit einem kleinen Supermarkt). Dort fanden wir ein nettes, kleines Hotel, ein Familienbetrieb in dem es sogar warmes Wasser gab und in dem wir mit Kreditkarte bezahlen konnten (es gab in Mulegé zwar einen Bankautomaten, doch er war außer Betrieb...) Am nächsten Tag machten wir einen Tagesausflug, der wirklich toll war: Wir fuhren zunächst auf eine Orangenfarm und aßen die besten Orangen, Mandarinen und Grapefruits ever. Dann ging es im Jeap über sandigsteinige Pisten weiter, vorbei an vielen, teils uralten Kakteen. Irgendwo in der Wüste machten wir dann Halt und unser guia erklärte uns die Pflanzen, welche Heilwirkung sie haben und wofür die alten indios sie benutz(t)en. Nach einer längeren Fahrt kamen wir schließlich an einer Ranch an, von der aus wir zu Fuß weiter gingen bis zu einem canon, in dem wir Felszeichnungen von indios anschauten, die dort zwischen 1700 und 7000 vor Christus gelebt haben.

Den nächsten Tag verbrachten wir an zwei verschiedenen Stränden. Leider war es wieder zu kalt zum baden, aber es war trotzdem schön. Abends aßen wir callos, irgendwelche Meerestiere - wir konnten bis heute nicht eindeutig rausfinden, was das jetzt genau war. Aber es war lecker und wir bekamen zur Abwechslung keinen Durchfall... Nach einer letzten Nacht in Mulegé fuhren wir dann zurück nach La Paz. Auch dieser Bus lies mehrere Stunden auf sich warten und die Fahrt dauerte, dank Militärkontrollen und Pausen, knappe acht Stunden statt der angesetzten sechs... Spät abends kamen wir wieder in La Paz an, wo wir die beiden letzten Tage unserer Reise gemütlich am Strand relaxten. Daniel flog am 19. und Julia und ich flogen am 20. Dezember zurück nach Puebla. Auf dieser Reise stellten wir fest: In Mexiko reisen (jedenfalls außerhalb der überlaufenen Touristengebiete) heißt warten. In den 13 Tagen unserer Rundreise verbrachten wir insgesamt 14 Stunden an Busterminals bzw. im Hafen von Mazatlán.

Dienstag, 13. Januar 2009

Africam Safari

Africam Safari in Puebla

Heute war ich auf einer Safari. Ja, das geht auch in Puebla. Rund 15 Kilometer vor der Stadt wurde im Jahr 1972 ein Safari Park namens "Africam Safari" gegründet, in dem heute mehr als 3000 Tiere aus etwa 250 verschiedenen Arten leben. Man fährt hin und dann mit dem Bus durch die verschiedenen Sektoren: Von Botswana geht es über Uganda nach Kenya und nachdem man durch El Cielo de los Tigres (Der Himmel der Tiger) gefahren ist, kommt man zum Schluss nach Mombasa. Die Tiere leben mehr oder weniger "frei", das heißt: es gibt keine Käfige, innerhalb jeden Sektors können sich die Tiere frei bewegen. So kommt es dann auch, dass man schon mal fünf Minuten warten muss, weil ein Büffel den Bus beschnuppert oder ein Ruden Antilopen auf den Wegen liegt. Es war richtig interessant da, vor allem auch weil man in einem "normalen" Zoo nie so dicht an die Tiere rankommt. Wir sahen Tiger, Löwen, Giraffen, Nashörner, Affen... Afrikas Fauna in Puebla. Es war toll.

Samstag, 27. Dezember 2008

Im Nationalpark Popocatépetl-Iztaccíhuatl

Èrase una vez... Es war einmal, zu der Zeit, als die Azteken noch das Land bevölkerten, ein Krieger. Der hielt um die Hand einer Königstochter an und diese wollte ihn gern zum Manne nehmen, doch vorher musste er noch ein Heer in den Krieg führen. Die Hochzeit sollte stattfinden, sobald der Krieger zurückkehrte. Doch dann wartete die Königstochter monatelang auf eine Nachricht von ihrem Geliebten, die nie kam. Und es entstand das Gerücht, er sei im Kampf gefallen. Der König fasste den Entschluss, seine Tochter einem anderen Mann zur Frau zu geben, doch die Prinzessin wollte keinen anderen und nahm sich das Leben. Als der Krieger tagsdarauf heimkehrte fand er nur noch den aufgebahrten Leichnam seiner Verlobten. Fassungslos hob er den toten Körper auf, trug ihn auf einen Berg und bettete ihn auf den Gipfel. Er zündete eine rauchende Fackel an und lies sich neben seiner toten Geliebten nieder. Die Götter, gerührt von der Trauer des einsamen Kriegers, deckten beide mit einer Schneedecke zu. Seitdem, so erzählten sich die alten Azteken, wartet der Krieger darauf, dass seine Verlobte wieder erwache. Und sie gaben ihm den Namen Popocatépetl, "rauchender Berg". Die Prinzessin nannten sie Iztaccíhuatl, was so viel bedeutet wie "schlafende Frau". Bis heute wacht der Krieger mit seiner rauchenden Fackel an der Seite seiner geliebten Prinzessin.

Und wer das nicht glaubt, der komme nach Puebla und schaue genau hin: Immer wieder sieht man die Rauchsäule des Popocatépetl in den Himmel steigen. Und die schneebedeckten Gipfel des Vulkans Iztaccíhuatl sehen tatsächlich aus, wie die Silhouette einer schlafenden Frau.

Der Popocatépetl, kurz "Popo", ragt majestätisch über Puebla Besonders vormittags sieht man ihn gut, dann taucht er überraschend vor einem auf, wenn man zu Fuß in eine Straße einbiegt oder mit dem Bus um die Ecke fährt. Plötzlich füllt die Sicht auf den Vulkan die ganze Straßenbreite aus. Oder man sieht seine Rauchsäule über den Dächern der Stadt. Wenn der Popo einen ganzen Straßenzug einnimmt wirkt er ganz nah, aber es sind doch einige Kilometer und da ein guter Teil der Strecke aus ungeteerten Feldwegen besteht, die dann gegen Ende hin zudem sehr steil nach oben führen, brauchten wir rund zwei Stunden als wir zum Popo fuhren - Caro, Julia, Paco, Wolfi, zwei seiner Freunde und ich. Pacos Eltern haben eine cabana, eine Hütte im Nationalpark Popocatépetl-Iztaccíhuatl und im November verbrachten wir ein Wochenende dort.


Der Popocatépetl ist Teil eines Zwillingsvulkans im Hochland von Zentralmexiko. Die schlafende Frau an seiner Seite, der inaktive Vulkan Iztaccíhuatl, ist ein wenig niedriger als der Popo, der mit seiner momentanen Höhe von rund 5.480 Metern einer der höchsten Vulkane der Welt ist. Viele Jahre hatte er geschlafen, doch vor 14 Jahren ist der Riese wieder erwacht. Ein Ausbruch im Dezember 1994 beendete eine circa 50 Jahre dauernde Ruhephase. Aufgrund der Nähe zu Mexico City und Puebla wird der Popocatépetl heute als sehr gefährlich eingestuft - daher ist er auch einer der am besten überwachten Vulkane der Welt. Auf dem Weg in den Nationalpark stand alle paar Meter auf Schildern und in neonfarbenen Lettern quer über die Straße geschrieben: "Ruta de Evacuación". Ein Ausbruch des Vulkans würde vermutlich sämtliche Dörfer am Fuße des Popos a la chingada schicken (also zerstören), deren Bevölkerung sich bis zum heutigen Tag hartnäckig gegen jeden Umsiedelungsversuch zu Wehr setzte. Daher wurden etliche Vorkehrungen für den Fall der Fälle getroffen.

Man darf sich dem Krater des Popo nicht nähern, weiter unten am Berg, gibt es jedoch (Touristen-)Holzhüttendörfer. Wir kamen abends dort an, Paco und Wolfi auf ihren Motocross-Motorrädern und wir anderen im Auto. Allerdings hatte sich schnell herausgestellt, dass Motocross-Maschinen für die steilen, sandigen Pisten wensentlich tauglicher waren als das Auto - wir schafften es gerade so, mit rauchendem, stinkenden Motor zur Hütte von Pacos Eltern. Später in dieser Nacht liefen wir zu einem Aussichtspunkt und zum ersten Mal konnten wir nicht den Vulkan von Puebla aus, sondern Puebla vom Vulkan aus betrachten. Das hatte ich mir schon lange gewünscht, nicht nur als Geografin fasziniert mich der Vulkan - ich musste dort einfach unbedingt hin.

Am nächsten Tag erkundeten wir die Gegend - ich saß dieses Mal zu meiner übergroßen Freude jedoch nicht im Auto, sondern hinten auf Pacos Motorrad und war total glücklich: Motocross fahren am Popocatépetl - etwas Besseres hätte ich mir für dieses Wochenende nicht vorstellen können. Da war es mir auch egal, dass das Wetter nicht mitspielte und wir dank bedecktem Himmel nur ganz früh morgens Aussicht auf den Krater des Popo hatten. Am Vormittag fuhren wir zuerst zu einer jesuitischen Einsiedelei. Den Weg dorthin wiesen uns Schilder mit der Muschel des Jakobswegs, der offensichtlich auch durch die höchsten Gebirge Mexikos führt. Die Einsiedelei war sehr schön, zwischen kleinen Kapellen und plätschernden Brunnen hatten wir eine unvergleichliche Aussicht auf das waldbedeckte Vulkangebirge. Danach fuhren wir zum Paso de Cortez, einem Pass zwischen den Gipfeln des Popocatépetl und der Iztaccíhuatl. Von diesem Pass aus hätten wir eine wunderbare Aussicht auf den rauchenden Krater des Popo gehabt und bestimmt ganz tolle Fotos machen können, wenn, ja, wenn der Himmel nicht komplett bewölkt gewesen wäre...

Auf dem Pass aßen wir an einem mit einer pinken Plastikfolie überdachten Stand Quesadillas de Huitlacoche, Tortillas aus blauem Mais, gefüllt mit Käse, Kürbisblüten und Huitlacoche, also Pilzen, die an Maispflanzen wachsen und die hier in Mexiko als Delikatesse gelten - zurecht, meiner Meinung nach, denn trotz eines sehr eigenen Geschmecks schmeckt Huitlacoche ausnehmend gut. Nach dem Essen fuhren wir dann über die sandigen Pisten bzw. querfeldein weiter hoch bis zu einem Parkplatz, von dem aus man in einem mehrstündigen Marsch den inaktiven Vulkan Iztaccíhuatl besteigen kann. Dazu hatten wir jedoch nicht die Zeit und vermutlich sowieso auch nicht die Kondition. In einer Höhe von über 4000 Metern geht einem sehr schnell die Luft aus, die Lungen schmerzen schon bei leichter Anstrengung und mir war leicht schwindelig - und das obwohl ich bereits vier Monate in einer Höhe von 2300 Metern gelebt hatte (so hoch liegt Puebla). Wir liefen bis zu einem Aussichtspunkt, etwa auf der Höhe der Baumgrenze, von dem aus wir vom Popo NICHTS sahen, dafür aber umso mehr von der rauen, stillen und einsamen Landschaft, die ich sehr schön fand. Damit war unser Wochenendausflug leider schon wieder zu Ende und wir mussten zurück nach Puebla. Es war ein kurzes Wochenende, doch ich hatte mir damit einem Traum erfüllt. Ein Trip zum Popocatépetl war eines der Dinge, die ich hier in Mexiko unbedingt machen wollte. Und ich war da.

Samstag, 15. November 2008

Wenn ganz Mexiko zum Leben erwacht - Oder: Der Día de los Muertos

Der Mexikaner liebt es zu feiern, er liebt die Fiestas. Alles ist ein Grund, sich zu treffen; jeder Vorwand berechtigt, zu feiern. "An wenigen Orten der Welt kann man ein Schauspiel erleben, das dem einer religiösen Fiesta in Mexiko gleichkommt: mit ihren heftigen, spröden, reinen Farben, Tänzen, Zeremonien, Feuerwerken, ungewöhnlichen Trachten und unerschöpflichen Kaskaden von Überraschungen, mit ihren Früchten, Süßigkeiten und allerlei Gegenständen, die man in solchen Tagen auf Plätzen und Märkten verkauft." So beschreibt Octavio Paz die Fiestas in seinem eigenen Land.

Auf einer mexikanischen Fiesta wird jeder Begriff von Ordnung im Tequila ertränkt und alles wirbelt durcheinander - Farben, Geschrei, Gelächter, Schimpfwörter, ... Es geht um Teilhabe, darum, dass die Zeit stehen bleibt und in der Gegenwart verharrt - und sei es nur für eine Nacht. Vergangenheit und Zukunft werden eins oder sind vielleicht auch einerlei - was zählt ist der Moment. "Die Teilnehmer der Fiesta", so Octavio Paz, "verlassen ihren sozialen und menschlichen Rang und werden zu lebendigen, wenn auch vergänglichen Rollenträgern."

Und ich hatte die Chance, an einer mexikanischen Fiesta teilzunehmen, die für mich die bisher ungewöhnlichste aller Fiestas war: Der Día de los Muertos. Der deutsche Feiertag "Allerseelen" wird am gleichen Tag gefeiert und doch könnte das Feiern nicht unterschiedlicher sein. Dort viel grau in grau, windgeschützte Kerzen auf kalten Friedhöfen, andächtiges Lauschen der Messe, Feierlichkeit, Ruhe, Besinnlichkeit - hier in Mexiko Mariachi auf dem Friedhof, Blumenmeere, fröhliches Durcheinander. Singend und Bier trinkend stehen die mexikanischen Familien vor überreich geschmückten Gräbern, manche sind traurig, die meisten nicht. Lachen schallt über den Friedhof, kein kleines verstohlenes Lachen, nein, viele Menschen haben Spaß. Und ich bin fasziniert, denn ganz ehrlich: Wann lacht sich schon mal einer ungeniert auf dem Friedhof schlapp? Allerseelen verbinde ich mit Stille und Einkehr. Also, wenn ich überhaupt irgendetwas damit verbinde. Allerseelen war für mich nie ein bedeutendes Fest. Doch hier ist es genau das: Eine Fiesta, auf die der Mexikaner sich vorbereitet, auf die hingearbeitet wird. Es ist eine ganz besondere Fiesta, eine, die erwartet wird - und zwar schon von den Kleinsten. Die Mexikaner haben eine grundlegend andere Vorstellung vom Tod als wir Deutschen.

Die mexikanische Einstellung zum Tod hat eine lange Tradition. Schon die alten Völker (Olmeken, Maya, Tolteken, Azteken) beschäftigten sich intensiv damit. Für sie war der Tod nicht so unbedingt wie für uns heute. Er war kein Ende an sich, sondern eine Phase im unendlichen Kreislauf von Leben, Sterben und Wiederauferstehung. Erst der eindringende Katholizismus hat diese Vorstellung überformt und Mexiko radikal verändert. Doch so sehr sich die "alte" und "neue" Religion auch unterschieden - beide Haltungen haben etwas gemeinsam: Der Tod bedeutet neues Leben - irgendwann -, er ist ein Durchgang in eine andere Zeitlichkeit. Leben und Tod, - darauf weist Octavio Paz hin -, sind nicht autonom, niemals zu trennen, sondern zwei Seiten einer Medaille. Das Eine existiert nicht ohne das Andere.

Vor diesem Hintergrund scheint es gar nicht so verwunderlich, dass in der Vorstellung vom Tod wenigstens ein Teil des alten Glaubens die conquista des Katholizismus überlebt hat - bis heute! Und während in vielen modernen Industriegesellschaften das Leben voranschreitet als gäbe es den Tod überhaupt nicht, geht der Mexikaner damit um - auf seine ganz eigene, mexikanisch bunte, traurige und gleichzeitig fröhliche Art und Weise.


Der Tod ist im mexikanischen Alltag sehr präsent. Er ist furchtbar, wenn er eintritt; traurig in der Phase der Trauer; Ende des irdischen Lebens und doch nicht das Ende von allem. Der Mexikaner hat keine Angst. Im Gegenteil: er foppt den Tod, hänselt ihn, spielt damit, lacht ihn aus. Und im Oktober lässt er ihn Einzug halten in Häuser und Geschäfte. Dann finden sich an jeder Ecke Skelette, Totenköpfe aus Zucker, Särge aus Schokolade mit Skeletten darin, die Tequilaflaschen in der Hand halten oder eine Zigarette - der Tod ist süß, das soll auf diese Weise veranschaulicht werden. Der Tod ist süß und die Geister der Toten sind keine Schreckgespenster - im Gegenteil: Lebende und Toten stehen in gutem Kontakt. Die Verbindung bricht in der mexikanischen Vorstellung nie wirklich ab: Jeder kann hin und wieder zur Seele eines Verstorbenen Kontakt aufnehmen. Und ein Mal im Jahr erwacht ganz Mexiko wieder zum Leben - in den Tagen des Día de Los Muertos. Und der Ausdruck "GANZ Mexiko" ist hier auch ganz wörtlich zu verstehen. Denn ein Mal im Jahr, in den Tagen um den ersten November, kehren die Seelen der Toten zurück.

Und das wird gefeiert: An der Uni hatten wir ab Mittwoch keine Vorlesungen mehr - stattdessen gab es Altar-Wettbewerbe auf dem Campus unter dem Motto `Wer macht den schönsten Altar?` Auch Montag und Dienstag hatten wir unifrei. Da war der Día de los Muertos zwar längst rum - aber wie gesagt: Der Mexikaner liebt das Feiern. Und wenn ein Feiertag auf´s Wochenende fällt, dann - so steht es in der Verträgen der Professoren - wird eben an den Wochentage darauf gefeiert und alle haben frei. Viva México! Viva! Viva!


Die Mexikaner machen ein Volksfest aus Allerseelen - (Jahr-)Märkte auf den Straßen, Musik auf den Friedhöfen, Festessen in den Häusern. Es sind höchst lebhafte Tage: einer für tote Kinder, einer für Unfallopfer, einer für alle Toten, ... Die Einstellung der Mexikaner zum Tod und zu den Toten äußert sich in diesen Tagen in jahrhundertealten Ritualen:
Wir waren in Huaquechula, einem kleinen, unterentwickelten Dorf, etwa zwei Busstunden von Puebla entfernt. Dort ist sind Pferde wirklich nohc Transportmittel und der Día de los Muertos wird sehr traditionell gefeiert. Die orangefarbenen Blütenblätter, die vor den Eingängen der Häuser verstreut werden, weisen nicht nur den Seelen der Toten den Weg. Viele Familien rücken die Möbel zur Seite, öffnen ihre Häuser und geben den Blick frei auf eigens für diese Fiesta errichtete Altäre, mit denen sie ihren Verstorbenen gedenken und über die sie ihren Toten den Weg zurück nach Hause eröffnen. Jeder ist eingeladen einzutreten und zu verweilen. Für uns gab es viel zu sehen: In Huaquechula waren die Altäre sehr traditionell, mit viel weißem Stoff, Engelchen, langen Kerzen. In Puebla sahen wir auch ganz andere Altäre in der Casa de la Cultura, im Haus der Kultur. Dort waren der Gestaltung keine Grenze gesetzt: traditionelle Altäre fanden sich neben modernen. Errichtet waren sie für die unterschiedlichsten Menschen. Es gab Altäre für Azteken, für den Kriegsgott, für die ersten Telefonisten Mexikos, für Schauspieler, Musiker, Komponisten, für Sanitärer, für die Opfer des Studentenmassakers vom 2. Oktober 1968, für Papst Johannes Paul den II., für Emilio Zapata, für Pixel, für entführte Frauen und für viele mehr. Gemein war allen Altären eines: Das Essen, das darauf angerichtet war. Die Familien stellen Gerichte für die Toten bereit, meist das Lieblingsessen der Verstorbenen, aber auch Früchte, Süßigkeiten, Zigaretten, Bier, Tequila, ... Wenn die Lebenden später das Essen essen stellt sich eine Verbindung zur Seele der Verstorbenen her. In Huaquechula gab es dann noch Essen für alle. Jeder, der in ein Haus kam, um den Altar zu besichtigen, wurde eingeladen zu bleiben. In den Hinterhöfen waren große Tafeln errichtet und jeder bekam etwas zu essen.


Viele Familien sparen das ganze Jahr über, nur um in diesen Tagen einen Altar errichten zu können und das ganze Dorf und alle Zugereisten zum Essen einzuladen. Das Bild dieser Fiesta ist gezeichnet vom Übermaß - an Früchten, Broten, an weißem Stoff und an Blumen, vor allem an Blumen. Es scheint eine rituelle Verschwendung von Gütern zu sein, die die Familien mühevoll das ganze Jahr angesammelt haben. Es ist vielleicht Verschwendung und doch kann ich nicht schreiben, es sei Vergeudung. Octavio Paz: "Ja man kann sozusagen an der Zahl und am Aufwand unserer Feste unsere Armut ermessen. Die reichen Länder haben ihrer nur wenige. Es fehlt ihnen an Zeit und an Stimmung und außerdem sind sie gar nicht notwendig. [...] Doch wie könnte ein armer Mexikaner ohne diese zwei, drei Fiestas jährlich leben, die sein Elend und seine Sorgen aufwiegen. Es ist der einzige Luxus."

Am Sonntag waren wir auf dem Panteón Municipal, dem städtischen Friedhof Pueblas. Bereits am Freitag haben Caro, Yaneli und ich den Friedhof zum ersten Mal besichtigt. Und was wir sahen war schön. Nichts ist da mit deutscher Ordentlichkeit und nichts in Reih und Glied: Es herrscht ein Durcheinander von individuellen Gräbern, manche reich verzierte kleine Schlösser, andere nicht mehr als ein Erdhügel, auf dem alte Blechdosen als Blumenvasen stehen. In vielen Gräbern liegen mehrere Menschen, bis zu acht vor einander in die Erde gerammte Kreuze habe ich gezählt. Es war schön. Wir haben den Menschen bei ihren Vorbereitungen zugeschaut und waren am Sonntag also auf Blumenteppiche gefasst - nicht jedoch auf einen großen Markt und soooooo viel Andrang. Vor den Toren des Friedhofs hatten viele Händler ihre Stände aufgebaut. Es gab einfach alles: Blumen, illegal gebrannte CDs (CDs piratas genannt), Kleidung, Süßigkeiten und jede Menge typisches Straßenessen. Als Caro und ich nach ausgiebigem Schauen und Probieren den Friedhof betreten wollten staunten wir nicht schlecht: Ein- und Auslass wurde geregelt, so viel war da los. Gleich hinter dem Eingang prangte ein überdimensionales Schild mit der Aufschrift: "Alkohol und Essen verboten". Darunter fand sich ein Stand der Stadt an dem Wasser ausgeschenkt wurde - und Bier. Überall waren Menschen dabei zu putzen, Berge von Blumen zu schleppen, Gräber zu schmücken und teilweise neu zu streichen. Familien standen um die Gräber - manche andächtig, andere grölend vor Lachen. Caro und ich waren in all dem Treiben die einzigen offensichtlichen Ausländer. Doch zum ersten Mal fielen wir nicht auf. Die Menschen waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Niemand hat uns beachtet. Und so konnten wir still teilhaben und eine richtig mexikanische Fiesta erleben, die irgendwie gewöhnungsbedürftig, jedoch rein und authentisch war - auf jeden Fall merkwürdig.


"An wenigen Orten der Welt kann man ein Schauspiel erleben, das dem einer religiösen Fiesta in Mexiko gleich kommt."
Ich denke Octavio Paz hat recht. Und ich liebe die mexikanischen Fiestas, ihre Gerüche, ihren Lärm, ihre Farben, das fröhlich-aufgekratzte Chaos. Ich schaue mit dem Blick einer Fremden, für mich ist alles neu - und gerade in diesen Tagen schien mir manches gewöhnungsbedürftig. Ich werde immer wieder überrascht. Während des Día de Los Muertos waren es vor allem meine eigenen Gedanken über den Tod, die mich überraschten. Der Mexikaner geht ganz anders damit um, als ich es bisher kannte. Und vielleicht - das ist meine Meinung - vielleicht hat er den besseren Weg gewählt, Meilen entfernt vom Wegsperren des einen Gedankens, der sich dauerhaft niemals und aus keinem Leben wegsperren lässt. Sterben scheint einfacher zu sein in Mexiko. Und mir fiel etwas ein, was ich versuchen werde, für immer zu behalten: Der Tod ist gar nicht so schrecklich, weil er so ist - sondern weil wir ihn dazu machen.

Mittwoch, 12. November 2008

Urlaub im Urlaub in Yucatán und Quintana Roo

Meine Professoren hatten mir zwei Wochen frei gegeben - während des Semesters. Viva México! Viva! Viva! Roland und ich haben die Zeit genutzt um den Süden Mexikos zu erkunden - ich hab Urlaub in meinem großen, sechs Monate dauernden Urlaub gemacht.
Zuerst waren wir in Palenque im Dschungel. Nach drei Tagen kehrten wir dann zurück in die Zivilisation. Nachts um halb zwölf nahmen wir von Palenque aus den Bus in Richtung Norden, nach Mérida. Wir fuhren die ganze Nacht und wurden nur ein Mal geweckt - von Soldaten, die an einem Grenzposten mit ihren Waffen in Händen den Bus durchsuchten nach was auch immer. Das war komisch.

Morgens gegen halb neun kamen wir in Mérida am Busbahnhof an. Um neun hatten wir unser Zimmer in einer sehr gemütlichen Jugendherberge mit schönem Innenhof und Hängematten und wussten noch nicht so richtig, was wir mit dem Tag anfangen sollten. Und plötzlich ging alles ganz schnell: Ein Touri-Guide fragte uns, ob wir nicht Lust hätten auf eine Schnorcheltour, in fünf Minuten würden sie abfahren und es seien noch zwei Plätze frei. Dann sind wir gerannt. Und innerhalb von fünf Minuten, nachdem wir unser Zimmer auf der Suche nach Badesachen in ein Schlachtfeld verwandelt hatten, saßen wir im Auto. Auf dem Weg zu den cenotes, den Höhlen, in denen wir schnorcheln wollten, erklärte uns unser guide alles mögliche über Mérida und die Halbinsel:

Mérida, einst die bedeutende Maya-Stadt T´Hó, ist die Hauptstadt des Staates Yucatán. Zwar haben die spanischen conquistadores nach der Eroberung Mexikos die Stadt und das Umland überformt, jedoch sind die kulturellen Wurzeln bis heute sichtbar: Auf dem Weg zu den cenotes fuhren wir durch Dörfer und vorbei an von Palmblättern bedeckten, weiß getünchten und nahezu ausschließlich mit Hängematten "möblierten" Maya-Häusern. Nach wie vor gibt es in und um Mérida eine relativ große autochthone Bevölkerung. Später an diesem Tag waren wir dann in einem Maya-Restaurant essen. Es gab ein typisches Gericht: Hähnchen mit einer speziellen Gewürzmischung, deren Namen ich mir keine zwei Sekunden lang merken kann und dazu Reis und Gemüse. Zunächst jedoch erfuhren wir noch mehr über die Gegend und die Entstehung der rund 3000 Höhlen, die es auf der Halbinsel gibt: Vor etwa 65 Millionen Jahren knallte ein Meteorit auf den heutigen Staat Yucatán und hinterließ einen Krater, dessen Durchmesser angeblich 284 km beträgt. Laut unserem guide (quien sabe, ob das stimmt, klingt jedenfalls spannend...) war das Gestein der weit verteilten Meteorit-Brocken schwerer als das Gestein der Halbinsel, daher sanken die Bruchstücke langsam ab und formten so das weitläufige Höhlen-System. Wie auch immer, es gibt über 3000 cenotes in Yucatán und viele davon sind kleine Paradiese für Schorchler und Taucher.

Die erste Höhle, in der wir waren, lag nicht weit unter der Erdoberfläche. Über eine Leiter kletterten wir hinunter. Und während aufgeschreckte Fledermäuse um unsere Köpfe schwirrten sprangen wir mit unserer Schnorchelausrüstung ins bodenlose Schwarze, das war vielleicht unheimlich. Aber nach kurzer Zeit hatten unsere Augen sich an die Lichtverhältnisse gewöhnt und mit einer Lampe konnten wir den Grund des Wasserbeckens und Fische sehen. Leider schwammen im Wasser überall Fledermaus-Exkremente, die mir einen Ausschlag am ganzen Körper beschert haben. Das war nicht so der Brüller.
Die zweite Höhle war offen und sehr schön, mit vielen Stalagmiten und Stalaktiten und Wurzeln, die durch die Decke bis ins Wasser reichten. An einer Seite war die Grotte laut unserem guide über 200m tief und der Beginn eines weit verzweigten Höhlen-Netzes. Auch das war mir unheimlich, da blieb ich lieber im Nichtschwimmerbereich...

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Chichén Itza, die bekannteste und am besten erforschte Maya-Ruinen-Stadt. Ich hatte mich sehr darauf gefreut und wurde dann leider etwas enttäuscht: Chichén Itza war überfüllt mit Touristen und mit Händlern, die ihr Kunsthandwerk als das Beste der Welt anpriesen und die uns mit ihrem "One Dollar, one Dollar, it´s cheap"-Geschrei ziemlich auf die Nerven gingen. Chichén Itza ist vor allem auch bekannt für die mathematische Perfektion, mit der die Stadt errichtet wurde. Leider haben wir davon nichts gesehen, weil die Pyramiden alle abgesperrt waren. Wir konnten nicht hochsteigen und so fehlt uns leider der Gesamteindruck.

Nach zwei Stunden hatten wir genug und sind weiter gefahren nach Tulum. Und dort fanden wir uns in einer Postkarte wieder, jedenfalls kam es mir so vor. Doch was mir plötzlich mit gefühlten 40°C vor den Kopf knallte war keineswegs eine Postkarte, sondern volle, echte, türkisblaue, natürliche Natur. Wow! kann ich zu Tulum nur sagen - der Strand weißer als weiß, der Sand feiner als fein, das Wasser türkisgrüner als türkisgrün. Einfach schön. Und erst die Maya-Ruinen am Strand - weltweit einzigartig, das sind sie tatsächlich. Und mitten drin: Roland und ich am Strand faulenzend, im Hostel Spaghetti kochend, Kokosnüsse von der Palme pflückend, Kokosnüsse essend, einen Schnorcheltrip machend - ja der war besonders wow. Über Wasser das Strandparadies mit den herausragenden Ruinen, unter Wasser ein ganz eigenes Paradies: tierhandlungsschaufenstertauglich bunte Fische, Einsiedlerkrebse, Seesterne und Korallen, jede Menge Korallen. Vor der Küste Mexikos schlängelt sich das zweit größte Korallenriff der Welt durch den weißen Sand, klar, dass wir vom Schnorcheln sofort süchtig wurden und es immer wieder und wieder gemacht haben.

Nach Stunden um Stunden fröhlichen Faulenzens verliesen wir unser Strandparadies und machten uns auf den Weg zu den Ruinen. Wir mussten zehn Minuten laufen und diese entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit zu wirklich verrückten zehn Minuten. Massen von Stechmücken fielen über uns her wie eine Meute, die Blut geleckt hat. Und das haben sie wohl auch, jedenfalls hatte mein Streuselkuchen-Stil sich nach der Mücken-Attacke auf Arme, Gesicht und Schultern ausgebreitet. Also sind wir gerannt und aus den gefühlten 40° wurden 45°. Mindestens. Für die Ruinenstadt hat es sich jedoch gelohnt (naja, das kann ich so voller Überzeugung jedenfalls jetzt sagen, wo es nicht mehr juckt). Doch weiß ich nicht, was mich mehr faszinierte, die wirklich schönen Ruinen - oder ihre Lage am vielleicht noch schöneren Meer...

Leider war außer den Moskitos noch etwas anderes ganz und gar nicht postkartenreif im paradiesischen Tulum: Unser Zimmer. Für 300 pesos die Nacht wohnten wir in einem Loch, fast so groß wie das Bett, das darin stand. Eben jenes Bett war angeschimmelt und über die widerlichen Laken soll hier lieber der Mantel des Schweigens gebreitet werden. Jedenfalls fanden wir drei Tage ausreichend und fuhren weiter nach Playa del Carmen. Dort hatten wir allerdings keine Lust zu verweilen. Am traumhaft schönen Strand drängte sich ein mettwurstfarbener Hotelklotz an den nächsten und viel zu viele Touristen auf viel zu wenig Raum fläzten am viel zu bebauten Strand - auf diese Art Sardinendosenurlaub verzichteten wir gerne und flohen per Fähre nach Cozumel.

Cozumel ist die größte Insel des Landes, rund sieben Kilometer vor der Küste Mexikos. Es war Hurricane-Zeit als wir dort waren und so hielten wir es für angebracht uns über das Wetter zu informieren. Leider kein leichtes Unterfangen in dieser Gegend. Zwar kommt in den Nachrichten jeden Abend der Wetterbericht, verlassen kann man sich jedoch darauf nicht. Einheimische haben uns gesagt, dass das Wetter in der Karibik Mexikos unmöglich vorauszusagen sei. Und im Wetterbericht bekommt der leichtgläubige Tourist gerne mal Bilder vom letzten Jahr gezeigt. (... Mexiko! ...) Nur auf die Hurricane-Vorhersage kann man sich verlassen, die Hurricanes werden auf ihrem langen Weg von der Küste Afrikas nach Mexiko beobachtet, ein ausgereiftes Frühwarnsystem schreckt zur Not alle auf und über ein ausgeklügeltes System kann wenn nötig die ganze gefährdete Zone evakuiert werden. Wir fanden, es sei gut das zu wissen. Gebraucht haben wir diese Infos jedoch zum Glück nicht - dafür hatten wir in diesen Tagen (statt des angesagten Sonnenscheins) jede Menge Regen...

Cozumel gilt als Urlaubs-Paradies mit mexikanischem Herzen und einer karibischen Seele. Mein erster Gedanke, als wir an Land gingen, war: Wir sind auf dem Mallorca der US-Amerikaner. Was wir schon in Playa del Carmen gefunden hatten, fanden wir hier wieder: Hotel an Hotel bis vor ans Meer. Geschenkshop an Geschenkshop und vor jedem Laden mindestens zwei Verkäufer, die ausschließlich dazu da sind "good price, good price" zu brüllen und Kunden in den Laden zu zerren. Alle Preise waren in US-Dollar!

Zum Glück hatten wir in Tulum von zwei netten Jungs einen Hoteltipp bekommen: Das Tamarindo - eine Oase hinter weiß getünchten Mauern mit einem grünen Garten, einer schönen Terrasse und einem noch schöneren Zimmer mit XXL-Bett, gelb-gefliestem Bad und einer kleinen Küche. Das war toll. Gleich nebenan war ein kleines Restaurant, ein winziger Familienbetrieb, in dem es sehr billig fangfrischen Fisch gab.

Am nächsten Tag stellten wir dann fest, dass man ohne Auto auf der Insel nicht viel machen kann - der einzige, vom Hotel aus zu Fuß erreichbare "Strand" war übersät mit Glasscherben und komischen Menschen. Unter Wasser war nahezu alles Leben längst abgestorben - vernichtet von Müll und Booten. Wir blieben dort nicht lang, sondern mieteten für umgerechnet 20 Euro für einen Tag einen alten, grauen Käfer, mit dem wir einen Erkundungstripp um die Insel unternahmen. Cozumel ist recht groß, fast das gesamte Inselinnere ist naturbelassen, wild, Urwald. Nur eine Straße führt aus der einzigen Stadt hinaus und um die Südhälfte der Insel herum, vorbei an Stränden, einer Rasta-Bar und den obligatorischen Hoteltrumms. Und vorbei an Mangroven-Wäldern - das hat mir besonders gut gefallen. Ich hatte noch nie Mangroven "in freier Wildbahn" gesehen und war ganz hin und weg, auch von den blauen und orangenen Mangroven-Krabben, die überall aus ihren Löchern schauten.

Cozumel gilt als berühmt für seine angeblich weltbekannten Korallenriffe. Nun, vermutlich liegen diese etwas vor der Küste, von den Stränden aus, an denen wir waren, kamen wir jedenfalls zu keinem Riff. Insgesamt war auch nicht viel mit Korallen - sei es, weil der Tourismus das Meer zu sehr belastet, sei es, weil der Wirbelsturm Wilma vor wenigen Jahren viele Riffe zerstörte. Obwohl unser Reiseführer etwas anderes sagte, fanden wir die schönsten Schorchelplätze keineswegs auf Cozumel. Dafür aber weite Wildnis und raue See, kantige Steinküsten und jede Menge Muscheln und tote Korallen am Strand. Es war wirklich schön und außerhalb der Stadt auch nicht mehr sehr touristisch. Und das Schönste waren die Schildkröten.

Überall in der Region kommen im Sommer Meeresschildkröten an die Strände, sie pflügen durch den Sand und vergraben ihre Eier. Diese gelten leider noch immer als Delikatesse und auch die kleinen Schildkröten selbst haben in den ersten Monaten relativ schlechte Überlebenschancen. Deshalb werden sie geschützt. Auf Cozumel haben Biologen zusammen mit Freiwilligen die frisch geschlüpften Schildkröten eingesammelt und sie in eine geschützte Bucht gebracht, wo sie das erste Jahr verbringen sollen, bevor sie in die Freiheit entlassen werden. Und Roland und ich konnten zusehen, wie sich ganz kleine Schildkrötenkinder aus ihren Eiern ins Freie kämpften und die ersten Schläge mit ihren Füßen, Flossen, wie immer das heißt, unternahmen. So was Schönes hab ich selten gesehen.

Am nächsten Abend haben wir in unserer Küche gekocht, die eigentlich in Anführungszeichen gesetzt werden müsste. Unsere "Küche" bestand hauptsächlich aus einer kleinen tragbaren Herdplatte, die schon zwei Jahrhundertwenden erlebt haben dürfte. Nichts desto trotz wollten wir kochen. Der Grund: Im Supermarkt hatten wir 1 kg Tintenfisch für umgerechnet 90 CENT (!) gekauft - das Gemüse und die Nudeln, die wir außerdem für das Rezept brauchten, kosteten weit mehr als das Doppelte.

Nach vier entspannten Nächten auf Cozumel brachen wir zur letzten Station unserer Reise auf: Isla Mujeres. Dort fanden wir nach zwei Nächten in einem wenig gemütlichen Zimmer mit einem noch weniger gemütlichen Bett ein nettes kleines Apartment mit separatem Schafzimmer, offener Küche, Bad und regelmäßigem Besuch von zwei Katzen - das Ganze in unmittelbarer Nähe des schönsten Strandes der Insel, des Playa Norte. Dieser war nicht weniger postkartentauglich als der Strand von Tulum: kristallklares, türkis schimmerndes Wasser, eine schattenspende Kokospalme an der nächsten, weißer Sand, ... toll. Auch hier hat Roland uns Kokosnüsse zum Mittagessen erobert. Das Gehopse und Steingeschmeiße meines heldenhaften Freundes trug sehr zur Belustigung der anderen Touris bei, die nicht einfallsreich genug waren, eine Kokosnuss aus drei Metern Höhe von der Palme zu schlagen und dann auch noch zu knacken. Einer fand das dermaßen witzig, der wollte sogar ein Video für YouTube über meinen Ritter der Kokosnuss drehen - aber der Mensch hatte ganz schnell ausgelacht, als wir Kokosnuss aßen und er nicht und seine neidische Frau ihn obendrein noch auffordernd anschaute...

Und dann ist noch was verrücktes passiert: ein kleiner Fisch war irgendwann zu mir geschwommen und blieb einfach da. Ich bin ein paar Meter geschwommen, weggelaufen, hab Wasser gespritzt und Sand aufgewirbelt - der kleine Fisch blieb immer an meiner Seite oder schwamm fröhlich um mich herum im Kreis. Mindestens eine Stunde lang ging das so. Der Kleine hielt mich für seine Mutter und hat Schutz gesucht oder was, keine Ahnung. Merkwürdig. Irgendwann ist Roland an den Strand um seine Schnorchebrille zu holen und unseren neuen Freund aus der Nähe zu betrachten und kaum hatte der Fisch Roland mit seiner giftgrünen Brille entdeckt schwamm er geradewegs auf ihn zu als hätte ihn sonstwas gestochen und erkundete Rolands Gesicht. Als ich später aus dem Wasser bin ist der Fisch fast mit bis an den Strand geschwommen, dann hat er sich Roland zugewandt, der noch im Wasser blieb, und ihn zu seinem neuen Freund erklärt. Dann sind beide fast eine weitere Stunde einträchtig zusammen geschwommen. Der Fisch war wirklich seltsam.

Einige Abende verbrachten wir am Playa Norte in einer Hollywood-Schaukel in sicherer Entfernung von der Hochhaus-Skyline von Cancun. Oder wir gingen in ein kleines Fischrestaurant an einem anderen Strand, wo wir, die nackten Füße im warmen Sand, vor der Kulisse von dunkelroten Sonnenuntergängen unter bananenblättergedeckten Dächern gegrillten Fisch nach Maya-Art aßen. An einem Abend ging Roland mit seiner Schnorchelbrille, einer Plastiktüte und einem Messer bewaffnet ins Wasser - auf Langusten Jagd. Er hatte deren Höhlen tagsüber schon ausgekundschaftet und konnte auch tatsächlich zwei aufspießen. Abends haben wir dann natürlich groß gekocht!

Ein Mal haben wir ein Golf-Cart mit offroad-Reifen gemietet und sind um die Insel gecruist. Isla Mujeres ist circa acht km lang und an manchen Stellen keine 200 Meter breit. Am Punta Sur, also an der Südspitze, hatten wir Aussicht auf ein atemberaubendes, stechend grünes Meer. Es gab dort auch ein Hotel, wir zahlten Eintritt und konnten uns dafür den ganzen Tag am Privat-Strand aufhalten. Das war der schönste Ort zum Schnorcheln: so viele Fische auf ein Mal, dass wir sie manchmal, wenn sie zu langsam waren, anfassen konnten. Wir schwammen mitten in Schwärmen von schillernd bunten Fischen und haben sogar zwei circe 40 cm lange Papagaienfische gesehen, Rochen, Krebse und seltsame Wesen, die aussahen wie Fische, die aber Beine hatten und sowas wie Flügel und die (vermutlich auf der Suche nach Essen) auf dem Meeresgrund jeden Stein umdrehten.

Später brauchte Roland dringend Kuchen. Also betraten wir eine pasteleria, in der ein etwa neunjähriger Junge gerade eine halbe Sahnetorte verdrückte. Auf meine Frage hin, was ein Stück Torte koste, überlegte der Junge kurz und presste dann verschmitzt zwischen zwei Bissen hervor: "30 pesos". Wir zahlten und der kleine Junge verabschiedete sich sehr schnell von uns. Am nächsten Tag kamen wir wieder. Diese Mal bediente der Vater des Jungen und siehe da: ein Stück Torte kostete plötzlich nur noch 20 pesos - der kleine kugelige Junge hatte uns doch tatsächlich ganz dreist abgezockt. Früh übt sich... Insgesamt zahlt man als offensichtlich Fremder eigentlich immer mehr, egal ob auf Märkten, bei Taxifahrten - wenn ich Mexikaner vorschicke um nach dem Preis zu fragen ist es so gut wie immer billiger...

An meinem Geburtstag sind wir auf eine Schildkrötenfarm gefahren - das war toll. Die Mitarbeiter der "Tortugranja" sammeln Schildkröteneier am Strand, die Kleinen schlüpfen dann auf der Farm und verbringen ein Jahr in Sicherheit, bevor sie in die Freiheit entlassen werden. Schön ist: etwa zwölf Jahre später, wenn aus den kleinen Flitzern geschlechtsreife Schildkröten geworden sind, kommen viele davon an die Strände der Tortugranja zurück, so dass auch ihre Nachfahren in geschützter Atmosphäre schlüpfen. Es war ein toller Nachmittag auf Isla Mujeres - aber leider auch der letzte. Am nächsten Tag ging unser Flug von Cancun zurück nach Puebla. Und als die Wolken über Puebla kurz aufrissen konnten wir von hoch oben die Lichter der Stadt sehen und den riesigen, rauchenden Schlund des majestätischen Popocatépetl. Das war der beeindruckende Abschluss einer beeindruckenden Reise.